Rede gegen den Krieg

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"Wenn die moralisch verwerfliche Arroganz sogenannter zivilisierter Völker eine international gültige Rechtsordnung verhindert, dann muss der öffentliche Gebrauch der Vernunft eine Gegengewalt schaffen" , Imanuel Kant, 1795 Traktat zum Ewigen Frieden
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Rede gegen den Krieg
am internationalen Frauentag 08.03.2003

von Andreas Buderus
Mitglied der Mendener Friedensinitiative „Nicht in unserem Namen!“
Sprecher des AntiRassistischen ArbeitsKreises der Gewerkschaft ver.di NRW-Süd

Heute ist der 08. März, der internationale Frauentag. Seit der zweiten Internationalen Konferenz der Kommunistinnen 1921 in Moskau ist es dieser Tag: der 08. März.

Der internationale Frauentag - der internationale Aktionstag für die Durchsetzung von Frauenrechten – weltweit. Es ist genau dieser Tag, weil am 08. März 1917 – nach über drei Jahren des Gemetzels im Ersten Weltkrieg – russische Frauen eine große Demonstration in St. Petersburg organisierten, die der Beginn der Oktoberrevolution  und damit der erste Schritt für das Ende des Krieges wurde.

Das simple Motto der Frauen in St. Petersburg vor 86 Jahren: "Brot und Frieden!"

Heute stehen wir hier, genau 86 Jahre später wieder auf der Straße. Wieder fordern Menschen „Brot und Frieden!“ Und wieder hat die öffentlich erhobene Parole „Brot und Frieden!“ eine nahezu revolutionäre Bedeutung:

        „Brot und Frieden!“ heißt unsere Losung,
angesichts einer Welt, die in den 58 Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in diesen 21.110 Tagen, nicht eine Sekunde erlebte, in der nicht irgendwo auf diesem Planeten die Perversion des Krieges  Menschenleben forderte.

        „Brot und Frieden!“ heißt unsere Losung,
angesichts einer Weltsituation, in der das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) nicht weiß, wo es dringend benötigte 26 Millionen Euro für ein Ernährungsnotprogramm für das südliche Afrika herbekommen soll, ohne dass voraussichtlich im nächsten halben Jahr Millionen von Kindern verhungern werden[1]; UNICEF fehlen 26 Millionen Euro für die Rettung von Millionen von leben,  während die Planer des Pentagon kalkulieren, dass der bevorstehende Angriffskrieg gegen den Irak mindestens 50 – 60 Milliarden Dollar ausschließlich für Waffen, Munition und sonstige direkte Kriegshardware und – logistik kosten wird. [2]
50 – 60 Milliarden Dollar  - also das ZWEITAUSENDFACHE der Summe, die zur Rettung der Leben von Millionen vom Hungertod bedrohter Kinder benötigt wird aber nicht zur Verfügung steht…


        „Brot und Frieden!“ heißt unsere Losung,
angesichts der erschreckenden Wahrheit, dass infolge des Boykotts gegen den Irak seit 1990 über eine halbe Millionen Kinder entweder verhungert oder an für uns lächerlichen Krankheiten verreckt sind, weil keine Medikamente ins Land kommen dürfen.[3]

o       600.000 verreckte Kinder seit 1990: das sind 164  zerschlagene Hoffnungen auf Zukunft am Tag,

o       600.000 verreckte Kinder seit 1990: das sind 1.150 vernichtete Träume vom Frieden in der Woche,

o       600.000 verreckte Kinder seit 1990: das sind 5.063 hingemordete Leben im Monat.

        „Brot und Frieden!“ heißt unsere Losung,
angesichts der offen und zynisch betriebenen Kriegstreiberei der USA-Regierung der Ölbarone, die sich anschickt, zukünftig aus reiner imperialer Machtvollkommenheit und militärischer Überlegenheit über das Schicksal der Menschheit zu entscheiden - über das Schicksal der Menschheit zu entscheiden

o       befreit aus den Fesseln völkerrechtlicher Verpflichtungen,

o       entfesselt von Spielregeln demokratischer Auseinandersetzung und

o       entledigt des völkerrechtlichen Grundsatzes, dass nie mehr ein einzelner Staat das Recht dazu hat, über die Frage von Krieg und Frieden alleine zu entscheiden.

Der Irak-Krieg ist nicht dazu gedacht, die USA oder die internationale Sicherheit zu verteidigen. Der Irak ist die erste Schlacht in einem fortdauernden Krieg amerikanischer imperialistischer Aggression. Ich werde nicht für mein Land kämpfen, um amerikanischen Imperialismus zu verteidigen.“[4]

so Scott Ritter, hochdekorierter Golfkriegsveteran, Mitglied der Republikanischen Partei der USA und bis 1997 UN-Waffeninspekteur im Irak.

 Gestern hat der UN-Chefwaffeninspekteur, Blix, vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bestätigt, dass es im Irak mittlerweile eine:

„substanzielle Abrüstung“ gibt

Sein Kollege, der Chef der internationalen Atomenergiebehörde, El Barradey ergänzt, dass es:

 „keinerlei Anzeichen für ein Atomprogramm im Irak“ gibt.[5]

Alle bisher von den USA und Großbrittanien vorgelegten angeblichen „Beweise“ für die Existenz von Massenvernichtungswaffen seien in der Realität nicht überprüfbar oder schlichtweg Fälschungen.

Die einzige Antwort, die der Kriegstreiber im Weißen Haus darauf hat,  ist die gebetsmühlenartige Widerholung von Allgemeinplätzen, ist das systematische Nicht – zur Kenntnis nehmen dessen, was Blix, El Barradey und die UN-Inspekteure festgestellt hatten, nämlich, dass es mittlerweile eine substantielle Abrüstung des Irak gibt.

Wie durch Watte und mit dem Impetus, des allein die Wahrheit Besitzenden verkündete Präsident Bush dann den wahren Kern der so von ihm genannten „amerikanischen Mission im Kampf gegen das Böse“:

Mein Job ist es, Amerika zu schützen“,(…)

Wenn es um unsere Sicherheit geht“, sagt Bush, „brauchen wir wirklich nicht die Erlaubnis von irgendjemand“.[6]


Auf dioesen Ölbaron im Weißen Hauß und seine HelfershelferInnen trifft die Erkenntnis der Trägerin des Friedensnobelpreises von 1906, bertha von Suttner zu, die bereits vor über 100 Jahren, festhielt:

„Mit Schlagworten kann man der leichtgläubigen Masse beliebig Sand in die Augen streuen.“

Lasst uns nicht leichtgläubig sein!

Lasst uns die Schlagworte der Kriegstreiber und Kriegsprofiteure als solche entlarven!

Lasst uns Sand im Getriebe ihrer bestialischen Tötungsmaschinerie sein!

Wir fühlen uns heute in diesem Kampf gegen den Krieg mit unseren Freundinnen und Freunden der US-amerikanischen friedensbewegung fest verbunden, die in ihrem Versprechen des Widerstandes, dem pledge of resistence erklären:

„Wir als Menschen, die in den Vereinigten Staaten leben, glauben,
dass es unsere Pflicht ist, uns den Ungerechtigkeiten zu widersetzen,
die von unserer Regierung
- in unserem Namen -
begangen wurden.

Nicht in unserem Namen
wirst Du endlosen Krieg führen,
darf es noch mehr Tode geben,
und weiteres Eintauschen von Blut gegen Öl.“

Wirklich: Wir haben amerikanische FreundInnen. Aber: andere!

Angesichts der Monströsität der aufgefahrenen Kriegsmaschinerie,

in Erwägung der nicht einmal erahnbaren Tötungspotentiale, die offensichtlich nur darauf warten, endlich durch den Knopfdruck eines einzigen Mannes entfesselt zu werden und mit dem Zynismus und der Brutalität konfrontiert, mit der momentan alle Ideale von Humanismus und Demokratie in aller Öffentlichkeit pervertiert werden,
mag mache und mancher von Euch sich fragen:

Was kann ich denn für den Frieden tun?
Ich bin doch machtlos!
Hat denn meine Stimme überhaupt Gewicht?

In einer Fabel wird erzählt:

"Sag mir, was wiegt eine Schneeflocke" fragte die Tannenmeise
die Wildtaube. "Nicht mehr als ein Nichts", gab sie zur Antwort.
"Dann muß ich Dir eine wunderbare Geschichte erzählen",
sagte die Meise.

"Ich saß auf dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu
schneien anfing; nicht etwa heftig im Sturmgebraus, nein, wie im
Traum, lautlos und ohne Schwere.
Da nichts Besseres zu tun war, zählte ich die Schneeflocken,
die auf die Zweige und auf die Nadeln des Astes fielen und
darauf hängenblieben. Genau dreimillionensiebenhunderteinundvierzigtausendneun- hundertzweiundfünfzig waren es. Und als die dreimillionensiebenhundertein - undvierzigtausendneunhundert - dreiundfünfzigste Flocke niederfiel, nicht mehr als ein Nichts, brach der Ast ab."
Damit flog die Meise davon.

Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin in dieser Frage,
sagte zu sich nach kurzem Nachdenken:
"Vielleicht fehlt nur eines einzelnen Menschen Stimme zum Frieden der Welt."

Am 15. Februar diesen Jahres demonstrierten nicht nur 3.741.953 Menschen gegen den drohenden Irakkrieg – es waren über 10 Millionen Menschen weltweit die erklärten: „No war! Not in our name! Nicht in unserem Namen!“

Über 10 Millionen!

Isoliert sind längst die Kriegstreiber! 

Lasst uns ihnen das Handwerk legen!

Brot und Frieden für die Welt!